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Stella McCartney über Nachhaltigkeit, Spinnenseide und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen

 

Text von Jessica Aureli, Fotos von Camilla Armbrust, Styling von Chrissi Smith.

 

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Von Designern kann man normalerweise nicht sagen, dass sie besonders hartnäckig sind. Wer sich die Entwicklung von Stella McCartneys Label anschaut wird erkennen, dass die gebürtige Londonerin gerade dieser Charaktereigenschaft ihren großen Erfolg zu verdanken hat. Jahrelang war sie die einzige, die sich in der Modeindustrie für Nachhaltigkeit einsetzte. Mit ihrem lauten Plädoyer für ethisch vertretbare Produktionsverfahren und den Einsatz nachhaltiger Ressourcen stieß sie auf taube Ohren. Aber Stella gab nicht auf, ging unbeirrbar ihren Weg und widerlegte die fast einstimmige Prognose, dass ihr Geschäftsmodell nie erfolgreich sein würde.

Die vielzitierte Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Die Modeindustrie macht einen Schritt in Richtung Stella, aber die Designerin bleibt ihrer Zeit voraus. Innovation ist ihr Leitmotiv. Keine Hürde ist der Britin zu hoch wenn es darum geht, bessere Fertigungsverfahren zu entwickeln – unablässig fordert sie sich selbst und damit auch die Modeindustrie heraus. Stella hat uns im Interview erklärt, warum sie möchte, dass zuerst die Frau und dann das Outfit beachtet wird. Außerdem weihte sie uns in ihre Zusammenarbeit mit einem Biotech-Unternehmen ein, das synthetische Spinnenseide herstellt.

 

 

Mantel, Kleid, Hemd und Stiefeletten, alle von Stella McCartney

 

Farfetch: Sie haben gesagt, Sie möchten Kleidungsstücke entwerfen, die “aus den schönsten Stoffen genäht und perfekt verarbeitet sind, damit sie uns nicht nur unser ganzes Leben, sondern auch das unserer Töchter und Enkeltöchter begleiten”. Warum ist das so wichtig?
Stella McCartney: “Als Designerin ist es meine Aufgabe, schöne, luxuriöse Kleidung zu entwerfen. Meine Outfits müssen gefallen und von hoher, dauerhafter Qualität sein. Nachhaltigkeit ist uns wichtig und als Label haben wir dieses Konzept einen Schritt weiterentwickelt, indem wir neue Geschäftsmodelle akzeptiert haben. Dieser Ansatz hat großen Einfluss auf die Art und Weise wie wir Kleidung herstellen, verkaufen, untereinander austauschen, reparieren und weiterverwenden. Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Verringerung von Umweltschäden ist die Entwicklung von Produkten, die lange halten. Wir müssen auch dafür sorgen, dass Kleidung den gesamten Lebenszyklus über genutzt wird. Wenn das gelingt, kann der Umfang der für die Modeindustrie benötigten natürlichen Ressourcen gesenkt werden. Das ist ein wesentlicher Fortschritt hinsichtlich unseres Ziels, Teil einer Kreislaufwirtschaft zu werden.”

 

Minikleid, Weste (im Video), Handtasche und Schuhe von Stella McCartney. Socken vom Stylisten.

 

“Ich möchte, dass Frauen sich in meinen Outfits stark, feminin und sexy fühlen.”

 

Welche Rolle haben Ihre Outfits im Leben der Stella-Frau?
“Ich mag Designs, die es Frauen ermöglichen, sie selbst zu bleiben und ihnen gleichzeitig etwas zeigen, das sie vorher nicht kannten oder nicht zu tun gewagt haben. Ich möchte, dass Frauen sich in meinen Outfits stark, feminin und sexy fühlen. Nicht das Outfit selbst, sondern die Frau, die es trägt, soll beachtet werden.”

Viele Leute dachten sicher, Sie seien verrückt, als Sie das Konzept der Nachhaltigkeit mit der Mode in Verbindung brachten. Sie hatten den Mut, zu Ihren Überzeugungen zu stehen. Fühlen Sie sich heute bestätigt?
“Ich bin so aufgewachsen. Respekt vor anderen Lebewesen und eine von Achtsamkeit geleitete Lebensphilosophie wurden mir in die Wiege gelegt. Es versteht sich von selbst, dass ich diese Philosophie in mein Geschäftsmodell eingebunden habe.”

 

 

 

Jumpsuit, Bolero und Sneakers, alle von Stella McCartney

 

“Am Anfang wurde ich ausgelacht. Leute, mit denen ich zusammengearbeitet hatte und die meine Vorbilder waren, sagten mir, dass ich nie ein richtiges Unternehmen haben würde.”

 

Wie stand die Modeindustrie zur Nachhaltigkeit, als Sie Ihr eigenes Label gründeten?
“Am Anfang wurde ich ausgelacht. Leute, mit denen ich zusammengearbeitet hatte und die meine Vorbilder waren, sagten mir, dass ich nie ein richtiges Unternehmen haben würde. Ich bin überrascht, dass ich heute Gehör gefunden habe und mehr Menschen sich für das Thema interessieren. Das ist ermutigend. Die Leute möchten mehr Informationen erhalten und ein größeres Bewusstsein für die Art ihres Konsums entwickeln.”

 

 

Jeansjacke, Hemd und Jeans, alle von Stella McCartney

 

Können Sie absehen, dass die Modeindustrie Ihren Standpunkt übernehmen wird?

“Leider sehe ich nicht, dass eine Entwicklung in diese Richtung stattfindet. Und da wo es doch passiert, sind die Beweggründe nicht die richtigen. Es ist ein langsamer Prozess, aber im Interesse unseres Planeten ist es wichtig, dass alle Unternehmen das Konzept der Nachhaltigkeit integrieren und verantwortungsbewusster werden. Modeunternehmen sollten davon nicht ausgenommen werden. Die Modeindustrie gehört zu den Industriezweigen, die der Erde am meisten schaden und wir müssen Verantwortung übernehmen. Als erfolgreiches Modelabel haben wir nachhaltige Viskosefasern entwickelt und mit Unternehmen wie Parley for the Oceans und Bolt Threads zusammengearbeitet. Ich hoffe, dass ich ein Vorbild für meine Kollegen bin und zeige, dass man bei Design, Luxus und Qualität keine Abstriche machen muss, um nachhaltig zu sein.”

 

Jacke, Hose, Stiefeletten und Schultertasche, alle von Stella McCartney

 

Was ist die größte kreative Herausforderung bei der Arbeit mit nachhaltigen Materialien?
“Wir arbeiten sehr intensiv mit den einzelnen Teams zusammen und versuchen, eine Balance zu finden. Wir möchten das Unternehmen voranbringen, ohne dem Design-Team so viele Vorgaben zu machen, dass der kreative Schaffensprozess darunter leidet. Wir sind immer noch ein Modeunternehmen und die Qualität unserer Produkte hat oberste Priorität. Wir möchten beweisen, dass nachhaltig hergestellte Designermode nicht anders aussehen muss, sondern genauso schön, luxuriös und aufregend sein kann wie alle anderen Outfits.”

Über welche Entwicklungen freuen Sie sich am meisten?
“Wir haben vor Kurzem unsere Zusammenarbeit mit Bolt Threads [Biotech-Startup mit Sitz in Kalifornien, das ein Bioengineering-Verfahren zur Herstellung von synthetischer Spinnenseide entwickelt hat] angekündigt. Das ist für mich eine wahnsinnig spannende Entwicklung – auf beruflicher und persönlicher Ebene. Ich habe das Gefühl, dass Mode, Nachhaltigkeit und technologische Innovation endlich als zusammenhängendes Gefüge betrachtet und verknüpft werden. Es war ein weiter Weg bis hierhin und jetzt haben wir endlich die Möglichkeit, die einzelnen Industriezweige zusammenzuführen, um die Zukunft des Planeten Erde zu verbessern. Dieser Schritt steht für ein modernes Modeverständnis. Achtsamkeit ist ein zentrales Thema.”

 

 

 

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