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Milan Vukmirovic ist der Mann hinter Ports 1961

 

Text von Hollie Moat. Übersetzt von Ute Klöpper.
Fotos: Hasse Nielsen. Styling: Tony Cook.

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Charlie trägt ein kariertes Hemd, Gürtel und Military-Bermudas, alles von Ports 1961.

Die Modeszene liebt das Neue und Unbekannte fast genauso wie die großen Namen. Diesem Grundsatz zufolge dürfte Ports 1961, das über 50 Jahre alte Label, das mit keinem berühmten Designernamen verbunden ist, eigentlich nicht viel Aufmerksamkeit zuteilwerden. Ports 1961 ist aber ganz im Gegenteil in der heiß umkämpften Liga der italienischen Top-Labels ganz vorne mit dabei.

Diesen Erfolg hat das ursprünglich in Kanada gegründete Modehaus größtenteils Milan Vukmirovic zu verdanken. Die aktuelle Frühjahrskollektion des in Paris aufgewachsenen Modeschöpfers steht für ultra-moderne, sportliche Ästhetik. Gleichzeitig hat Milan historisch und kulturell inspirierte Stilelemente in seine Looks eingebunden. Milan ist ein viel gefeierter Streetstyle-Trendsetter und Instagram-Star. Seine aktuelle Herrenkollektion für Ports 1961 zeigt eine kunstvoll moderne Neuinterpretation von Romantik, gepaart mit echtem Gefühl. Milan ist außerdem Gesicht und Muse des Unternehmens. Man könnte sagen, dass der Designer sein Leben ganz der Mode verschrieben hat: Er ist Mitbegründer der legendären Pariser Boutique Colette, hat als Fotograf Werbekampagnen für Trussardi und Armani geschossen, ist früherer Chefredakteur des Kult-Magazins L’Officiel Hommes und hat vor Kurzem seine eigene Modezeitschrift Fashion For Men gegründet.


Da überrascht es nicht, dass wir beim Interview mit dem versierten Modeschöpfer viel zu besprechen hatten.

 

Fangen wir mit Ihrer F/S17-Kollektion für Ports 1961 an. Sie erzählt eine Geschichte…

 

Milan Vukmirovic: “Die ersten Entwürfe für diese Kollektion habe ich Anfang 2016 gemacht. Wir hatten ein schweres Jahr hinter uns, mit allem, was in Paris passiert war, den Terroranschlägen… Ich bin selbst Franzose und diese Ereignisse haben mich sehr getroffen… Mit dieser Kollektion wollte ich ein Statement machen und zum Ausdruck bringen, wie sehr ich Terrorismus verabscheue. Die Menschen hatten immer noch Angst und das Einzige, was uns wirklich zusammenbringt, ist Liebe bei allem, was wir tun. Das wollte ich in meiner Show zeigen. Liebe ist ein starkes Wort und für mich ist sie in der Welt, in der wir heute leben, besonders wichtig.”

 

Die Kollektion ist stark vom Military-Style inspiriert. Stimmt das?

“Ja, Military-Pieces waren immer wichtig für mich – sie erzählen viel über das Herkunftsland und die damalige Zeit. Ich wollte [diese Saison] diese maskulinen Military-Looks auf den Laufsteg bringen, aber in einer weicheren, romantischeren Optik. Deshalb habe ich Blumenmuster und Rüschen eingesetzt. Meine Designs sind nicht aggressiv – das hätte nicht zu meiner Stimmung gepasst.”

 

Sie sind ja eher für Ihre Sportkleidung bekannt. Hat sich diese Kollektion wie ein Abschied angefühlt?

 

“Ich liebe sportliche Styles, aber ich mag es nicht, immer nur ein Thema, eine Idee in die Show einzubringen. Das entspricht nicht meinem Kleidungsstil. Mode ist für mich wie Musik. Alles hängt von der Stimmung ab. Wenn Sie morgens aufwachen, spüren Sie, dass Sie heute elegant, klassisch oder sportlich sein möchten. Der romantische Military-Look war richtungsweisend für diese Show, aber wir haben auch die Ergebnisse unserer Kollaboration mit Everlast einfließen lassen – ich werde Sportswear nie aufgeben. Ich mache jeden Tag viel Sport, mein Kleidungsstil ist sportlich. Ich finde diese Mischung viel interessanter und echter, sie ist näher dran an der Art, wie wir uns tatsächlich kleiden.”

 

 

Rio trägt eine Military-Jacke und Cropped-Hose, beides von Ports 1961.

 

Es wird oft gesagt, dass Sie Ihre eigene Muse sind – bringt diese Kollektion Ihren persönlichen Stil zum Ausdruck?

 

“Immer. Das ist sehr witzig, weil ich bei Interviews oft gefragt werde: ‘Als was für ein Typ Mann wollen Sie sie sich diese Saison kleiden?’ Ich finde diese Frage komisch. Als Ports 1961 mich kontaktierte, war ich von der Idee, wieder in Europa zu arbeiten, anfangs nicht begeistert, aber sie haben mich überzeugt, weil sie gesagt haben: ‘Wir haben deine Kollektionen gesehen, aber wir haben auch gesehen, wie du im Alltag auf der Straße rumläufst. Wir möchten, dass der Ports-Mann sich so kleidet, wie du dich auch stylen würdest und dass er deine Menswear trägt.’ Dieser ehrliche Blick auf meine Arbeit hat mir sehr gefallen. Manche Designer kreieren Outfits, die sie selbst nie tragen würden, weil sie für jemand anders, eine andere Stilrichtung, oder eine andere Muse entworfen wurden. Aber ich liebe Mode und Kleidung so sehr, dass ich mir, wenn ich an einer Kollektion arbeite, immer Dinge ausdenke, die mir selbst gefallen. Ich lasse mich von meinem eigenen Stil inspirieren, weil er mir gefällt. Das ist der Ausgangspunkt aller meiner Kollektionen.”

 

 

Von links: Rio trägt einen gestreiften Pullover und karierte Bermudas; Charlie trägt ein Military-Hemd und Cropped-Hose; alles von Ports 1961.

 

Denken Sie, dass Ports 1961 sich so kontinuierlich weiterentwickelt und auf dem Fashion-Olymp ganz vorne mit dabei ist, weil sich Ihr eigener Stil auch stetig verändert?

 

“Ja das ist richtig. Die Modewelt ist schnelllebiger als je zuvor und die Menschen langweilen sich nach kurzer Zeit. Das Prinzip der Mode verändert sich. Social Media hat großen Einfluss und es gibt so viele Kollektionen. Ich würde sagen, der neue Trend heißt ‘No Rules’. Lange Zeit war die Mode von Regeln geprägt – es gab nur ein Ideal: einen richtigen Look, eine richtige Frisur und ein richtiges Model. Das passt nicht mehr in unsere heutige Zeit. Ich glaube, ich bin immer noch als Designer gefragt, weil ich mich ständig weiterentwickle und verändere. Ich schaue selten zurück, oder ich sage zumindest, dass ich immer bereit für Neues bin. Was man heute hasst, liebt man vielleicht morgen. Das ist das wahre Motto der Fashion-Welt – überrasche dich selbst und schotte dich nicht ab. Sage nie ‘Das war früher besser’ oder ‘Das wird mir nie gefallen’, denn das stimmt einfach nicht.”

 

 

Hinzu kommt die Nachfrage nach immer mehr Kollektionen. Und es werden neue globale Märkte erschlossen. Was bedeutet das für Sie?

“Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren im Mode-Business, aber die heutige Zeit ist so verwirrend wie nie zuvor. Alles wird durchmischt: Abendkleidung wird mit Sportswear kombiniert, Herrenmode mit femininen Outfits gemixt und Winter- und Sommer-Looks zusammen gestylt. Die Jahreszeiten ändern sich und alles andere ändert sich. Das ist sehr interessant, weil es weniger Schranken gibt. Es ist fast, als wäre alles möglich. Für uns Kreative ist das eine Herausforderung. Wenn ich hier in der Winterkollektion zu viele warme Outfits habe, ist das für den asiatischen Markt nicht so ideal. In den asiatischen Ländern ist es nicht so kalt wie in New York und Europa. Für jede Kollektion brauchen wir jetzt eine Mischung aus warmen und leichteren Outfits. Das ist nicht wie früher. Alle sechs Monate eine neue Kollektion? Dieses Modell läuft glaube ich aus. Wir werden wahrscheinlich bald jeden Monat oder alle zwei Monate eine kleine Capsule Collection herausbringen.”

 

“Das Prinzip der Mode verändert sich. Der neue Trend heißt ‘No Rules’… Ich bin immer noch als Designer gefragt, weil ich mich ständig weiterentwickle und verändere. Ich schaue selten zurück.”

 

Von links: Charlie trägt eine Kapuzenjacke und eine Cropped-Hose; Rio trägt ein Hemd und eine Cropped-Hose; alles von Ports 1961.

 

Finden Sie, der Begriff Wiedergeburt passt zu Ihrem modeschöpferischen Ansatz?

 

“Mir war schon sehr früh klar, dass ich Designer werden wollte und das ist wirklich mein Hauptjob. Aber dann habe ich Collette [Roussaux] getroffen und sie schlug vor, dass wir gemeinsam einen Laden eröffnen. Und dann kam das Team von Jalou [Les Editions] und fragte mich, ob ich Chefredakteur des neuen Modemagazins L’Officiel Hommes werden möchte. Später wurde ich von anderen Leuten gefragt: ‘Wir lieben deine Urlaubsfotos, warum machst du keine Fashion-Shoots?’ Ich zwinge mich immer selbst dazu, Erfahrungen zu sammeln. Das ist in der Modewelt besonders wichtig, denn je mehr Einblick man in die verschiedensten Bereiche hat, umso besser erfasst man Zusammenhänge. All diese Erfahrungen helfen mir, das Modegeschäft und seine Entwicklungen zu verstehen. Ich halte nie an und schaue zurück, ich mache immer weiter und versuche, mich in neue Dinge einzuarbeiten. Das ist mein Verständnis von Wiedergeburt.”

 

“Kaufen Sie nie etwas, das Ihre Persönlichkeit überdeckt. Wenn Sie sexy und selbstbewusst sein möchten, sollte Ihr Look mühelos wirken. Alles hängt davon ab, wie Sie sich in Ihrer Kleidung bewegen und wie Sie Einzelteile kombinieren.”

 

Rio trägt eine Weste (kommt bald) und eine Cropped-Hose, alles von Ports 1961.

 

Also würden Sie sagen, dass Ihre Erfahrungen als Einzelhändler und Einkäufer Ihnen beim Entwerfen neuer Kollektionen hilft?

 

“Ja, definitiv. Ich habe ja außerdem mein eigenes Modemagazin. Wenn ich Interesse wecken will, brauche ich einige wirklich aussagekräftige Looks, die nur von sehr wenigen Leuten gekauft werden. Einzelhändler kaufen natürlich eher – das sieht man jetzt überall – Denim, viele Sweatshirts... das sind die Teile, die Geld bringen. Aber für eine Modenschau braucht man etwas Stärkeres; es geht darum, das Image der Marke zu prägen. Wenn das Markenimage stark ist, wirkt sich das positiv auf den Rest Ihres Unternehmens aus, auch auf kommerziellere Bereiche.”

 

Von links: Charlie trägt eine Kapuzenjacke und Cropped-Hose, beides von Ports 1961.

 

Haben Sie einen Style-Tipp für unsere Leser?

 

“Kaufen Sie nie etwas, das Ihre Persönlichkeit überdeckt. Es gab mal eine Zeit, da war es sehr wichtig, Logos zu tragen und sich in einer bestimmten Marke zu zeigen, aber ich finde es besser, einheitliche, perfekt abgestimmte Outfits zu vermeiden. Tragen Sie nicht zu viele Logos oder Styles, die von Ihrer Persönlichkeit ablenken. Wenn Sie sexy und selbstbewusst sein möchten, sollte Ihr Look mühelos wirken. Denken Sie an Ihren Körper und fragen Sie sich, worin Sie sich wohlfühlen… Sie können in einem maßgeschneiderten Anzug unglaublich sexy sein, aber auch in einer Jogginghose! Alles hängt davon ab, wie Sie sich in Ihrer Kleidung bewegen und wie Sie Einzelteile kombinieren. Ich würde Ihnen ganz klar raten, nicht einfach ein Label zu kaufen, weil es gerade total angesagt ist. Tragen Sie das, was Sie gut aussehen lässt.”

 

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