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Star im Fokus: Billy Howle

Billy Howle stach schon immer aus der Masse heraus: “Als Kind habe ich oft auffällige Farben getragen: rote Kordhosen, ein gelbes T-Shirt und eine blaue Jacke, alles zusammen. Manche würden das als Fashion Fauxpas bezeichnen…” Auch wenn Billy damit gar nicht mal so falsch liegt, heute steht Englands neuer Kinostar zu Recht im Mittelpunkt.

Text von Hollie Moat. Übersetzt von Raika Wollik.
Fotos: Rory Payne. Styling: Tony Cook.

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Nach dem BBC-Drama The Witness for the Prosecution, in dem Billy Howle einen Hauptverdächtigen spielt, wird der Engländer diesen Frühling neben Jim Broadbent als Co-Hauptdarsteller in der Kinoadaption von Julian Barnes’ Kult-Roman The Sense of an Ending (Vom Ender einer Geschichte) zu sehen sein. Danach folgen weitere Projekte: eine Adaption von McEwans’ literarischem Paukenschlag On Chesil (Am Strand) und Anton Chekhovs The Seagull (Die Möwe) – beide (zufällig) mit Saoirse Ronan als Objekt der Begierde.
Von seinem gefeierten Theaterdebüt in Henrik Ibsens Ghosts bis hin zu einer Modekampagne für Prada (das Fashion-Label schlechthin) – Billy Howle scheint sich im Rampenlicht sichtlich wohl zu fühlen. Wer wäre kurz vor dem Höhepunkt der Award Season also besser geeignet, die elegantesten Designs im F/S17 stylisch in Szene zu setzen?

 

Erzählen Sie uns etwas über Tony, Ihrer Rolle in The Sense of an Ending

 

Billy Howle:: “Er ist ein interessanter Charakter. Man lernt ihn zuerst als älteren Mann kennen (Broadbent), der sich mit seinem Leben arrangiert hat. Das Einzige, das ihn noch erfüllt, ist sein Leica-Laden – eine Art Schrein für seine verlorene Liebe Veronica. Mein Part spielt zu der Zeit, in der sich Veronica und Tony verlieben und trennen. Wie Tony reagiert, als er erfährt, dass Veronica mit seinem ehemaligen besten Freund durchgebrannt ist. Tony ist sehr philosophisch, aber er hat eine Schwäche, die für viele junge Männer typisch ist: den Drang, sich beweisen zu müssen. Egal ob Intellekt oder Heldentum, es gibt immer den Kampf um die Alpha-Position, ob man will oder nicht. Tony leidet unter einen Stolz, den wir alle nachvollziehen können.”

 

Wie war es, sich die Rolle mit Jim Broadbent zu teilen?

 

“Wir haben uns vor dem Dreh ein paar Mal getroffen. Wir haben zusammen Kaffee getrunken – und manchmal schnappt man einfach Sachen voneinander auf, ohne es bewusst zu merken. Was mir Sorgen machte war die räumliche Trennung; wir waren nie zur selben Zeit am Set. Wie soll man diese Dynamik [auf der Leinwand] verkörpern, wenn man nicht wirklich Zeit zusammen verbringt? Aber rückblickend kann man gewisse Eigenheiten erkennen… Dinge, die einfach natürlich passierten.”

“Man muss verstehen, was die Figur zum Handeln bewegt. Dieses Gedankenspiel kann auf Dauer sehr anstrengend sein, aber es gehört zum Beruf dazu.”

Anzug von Lanvin über Bernardelli,
Hemd von Alexander McQueen über Giulio

 

Nicht jeder würde Tony sympathisch finden – ist es wichtig für Sie, dass Sie Ihre Figur mögen?

 

“Es ist so ähnlich wie das Trainieren eines Muskels. Eine Art objektiver Muskel, der ständig in Topform sein muss. Wenn man das Buch oder das Skript liest, muss man so lange wie möglich objektiv bleiben. Es geht nicht wirklich darum, ob man eine Figur mag oder nicht, sondern eher darum, ob man sie versteht und wie man sich auf den Charakter einlässt. Man muss verstehen, was die Figur zum Handeln bewegt – egal wie schrecklich oder abscheulich sie auch sein mag. Dieses Gedankenspiel kann auf Dauer sehr anstrengend sein, aber es gehört zum Beruf dazu. Man muss das Verhalten seiner Figur nicht gut finden – Tony zum Beispiel schreibt einen hasserfüllten Brief – aber man darf es nicht verurteilen. Genau darauf kommt es an.”

 

The Sense of an Ending basiert auf einem mit dem Booker-Preis geadelten Kult-Roman. Haben Sie dadurch beim Dreh einen gewissen Druck verspürt?

 

“Darüber denke ich nicht wirklich nach. Ich habe mich neulich über Hamlet unterhalten und darüber, wie sehr das Theaterstück vergöttert wird. Aber warum eigentlich? Ich will die literarische Bedeutung des Stücks nicht kleinreden, das würde ich nie machen. Aber ich respektiere das Stück auf meine Art und Weise, das ist etwas sehr Persönliches; ich lasse mich in meiner Meinung oder meiner Interpretation einer Rolle nicht von anderen beeinflussen. Wenn sie das Buch gelesen haben, dann können sie darüber denken, was sie wollen. Aber ich denke es ist nicht besonders hilfreich, Dinge in Watte zu verpacken. Um diese Literaturwerke am Leben zu erhalten, sollten wir nicht gleich zynisch reagieren, wenn eine Adaption geplant ist. So in der Art: “Diese Rolle darf nicht angefasst werden.” Warum? Weil man ihr nie gerecht wird? Dann kann man auch gleich aufgeben. Wozu die Anstrengung? Ich versuche immer mein Bestes zu geben und viel von mir zu investieren – darauf lege ich sehr großen Wert, sonst könnte ich mich selbst nicht ernst nehmen; dann wäre mir auch das Drehbuch egal und das, was andere darüber denken. Wenn man anfängt so zu denken, schadet man sich nur selbst, schließlich will man an eine Geschichte objektiv herangehen.”

 

Die meisten Ihrer erfolgreichsten Rollen sind eher düstere Charaktere. Selbst The Seagull – die Chekhov als Komödie beschreibt – hat ein trauriges Ende. Ist Ihnen das auf Dauer nicht zu viel? Hätten Sie auch mal Lust auf etwas Fröhliches?

 

“Die besten Stücke haben Elemente einer Komödie und Tragödie – also versuche ich immer eine Art Antithese zu finden. Wenn etwas tragisch ist und man spielt es wie eine Tragödie, dann ist es ziemlich eintönig und langweilig. Richtig interessant wird es erst, wenn man in der Geschichte auch lockere Momente findet. The Seagull funktioniert gerade deshalb so gut, weil die Geschichte total absurd ist; die ewige Eifersucht, das Gefühl der Leere, die [meine Figur] Konstantin die ganze Zeit über verspürt, und die in unserer Adaption besonders deutlich wird, treibt ihn schließlich in den Selbstmord. Es ist eine Sisyphusaufgabe, eine Art existentielle Komödie. Ob ich auch mal eine traditionelle Komödie drehen möchte? Ja, warum nicht.”

 

Sind Sie der Mann für schwierige Rollen?

 

‘“Werde ich nur für einen bestimmten Typ gecastet? Ich denke nicht, aber meine Rollen scheinen immer einen ländlichen Touch zu haben; nackt oder schmutzbedeckt, mit Drogen vollgepumpt. Oder von Krankheiten heimgesucht: In beiden Projekten mit [Regisseur] Richard Eyre litt ich unter Syphilis und Tuberkulose. In Long Day’s Journey Into Night hatte ich die ganze Zeit diesen trockenen Husten – vier Stunden musste ich auf der Bühne husten. Aber wir hatten einen sehr guten Stimmtrainer, ich war also in den besten Händen. Ich kann auch auf Kommando rülpsen. Ich musste das für eine Rolle lernen; das funktioniert, indem man Luft schluckt…”

 

 

Sie haben für Prada eine Kampagne gemacht. Hat sie Ihnen die Schauspielerei die Tür zur Modewelt geöffnet?

 

“Ich interessiere mich sehr für Modegeschichte, und in jedem Kostümdrama lernt man etwas über den Stil der Epoche. Zum Beispiel, dass die Knöpfe an einem Hemd auf der rechten Seite liegen und von links geknöpft werden, weil es damals üblich war, dass man sich nie selbst anzieht. Kuriose Fakten wie dieser eben. Die späten 60er-Jahre waren eine unglaubliche Zeit – Dinge, wie weit geschnittene Hosen, die hoch getragen wurden. Ich mag taillenhohe Schnitte, weil sie der Figur schmeicheln können. Selbst mit eingestecktem T-Shirt – das hat sich seit dem Ende der 50er-Jahre nicht mehr wirklich etabliert. Aber irgendwie mag ich die Vorstellung.”

 

Welche Bedeutung hat Mode für Sie persönlich?

 

“Mit dem, was ich trage, drücke ich aus, wie ich mich an dem Tag fühle. Man kann es sich natürlich einfach machen und eine Jeans mit einem T-Shirt kombinieren, aber ich finde das irgendwie langweilig. Ich greife lieber zu Kleidung, die meine Stimmung widerspiegelt. Ich bin ein großer Fan von unabhängigen britischen Labels – ich mag die Designs von Kit Neale. Und ich liebe Paul Smith, YMC und Prada natürlich! Mein Favorit vom Shooting ist die schwarz-weiße Hose von Ann Demeulemeester, die ist großartig!”